Stephan Bösch nähert sich seinem Bild langsam an. Mit Geduld. Mit Respekt. Und mit viel Menschlichkeit. Er verzichtet gerne auf schnelle Kameras und lange Objektive. Zurückhaltung ist ihm wichtig. Raum lassen, den Menschen und der Natur. Und im richtigen Augenblick mit der richtigen Nähe das perfekte Bild machen. Für dieses Vorgehen gibt es für ihn nur ein System. Leica M.

Bösch fotografierte die Nonne Kankyo Tannier im zenbuddhistischen Kloster Ryumon Ji in Weiterswiller, Elsass – Stille ist ihr Geheimnis auch im aktiven Leben. Die Reportage ist im Herbstheft des Werde Magazins, Weleda, erschienen.


Es mag überraschen wenn Stephan Bösch seine Leica ein Werkzeug nennt. Aber es überrascht nur im ersten Augenblick. Denn er sagt es mit grösstem Respekt. Weil es ein Werkzeug ist, welches auf den begnadeten Fotografen zugeschnitten ist. „Die M10 erlaubt mir eine besondere Nähe und Beziehung aufzubauen. Meine Präsenz ist eine andere. Mehr Mensch als Fotograf. Dies wirkt sich direkt auf das Bild aus.“ Das Bild ergibt sich wie von selbst. Oft nach einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein mit den porträtierten Menschen. „Ich bin sehr zurückhaltend. Es ist mehr ein Erleben als ein Eingreifen. Die Leica M eignet sich bestens dazu.“

Eigene Handschrift

Seit zehn Jahren arbeitet Stephan Bösch mit Leica. Ausprobiert hat er davor fast alles. Bis er zum ersten Mal mit einer Leica analog fotografiert hat. „Die drei wichtigsten Aspekte für mich sind der Messsucher, der Charakter der verschiedenen Objektive und eben, die Zurückhaltung welche mit der Leica M möglich ist.“ Den zusätzlichen Aufwand, den er ohne Autofokus betreiben muss, nimmt Stephan Bösch gerne in Kauf. „So entsteht meine eigene Handschrift.“ Zudem schätzt er das Angebot an Objektiven für die M10. „Sie haben eine gewisse Weichheit, Zurückhaltung und eine enorme Präsenz und Greifbarkeit. Und sowieso brauche ich nie lange Objektive. Lieber gehe ich näher ran an die Person oder die Person ist halt kleiner auf dem Bild. Dies ist viel ehrlicher. Man stiehlt die Nähe nicht.“


 

Eindrücke aus dem neuen Buch „Wasser“


Die Bilder des sympathischen 35-jährigen sind sehr beliebt. Die vielen Aufträge bestätigen seine Einstellung zur Fotografie. Und seine ganz eigene Handschrift. „Ich war immer konsequent in der Auswahl der Aufträge. Ich mache zum grössten Teil das, was zu meiner Fotografie passt. Inzwischen ist es so, dass meine Kunden mich genau dafür wollen. Dies ist natürlich mein Glück. Ich muss mich nicht anpassen sondern kann meine ganz eigene  Fotografie anwenden.“

Freie Fotografie

Die Auftragsfotografie ist nur ein Teil von Stephan Böschs Schaffen. Ein anderer, ebenso wichtiger Teil ist die freie Fotografie. Doch einen grossen Teil der bisher entstandenen Arbeiten behält er noch zurück. „Ich will diese Bilder erst zeigen, wenn die Zeit da ist. Es gibt Arbeiten, an denen ich schon 10 Jahre wirke. Durch die gute Auftragslage fehlt leider oft die Zeit für diese Geschichten. Und ich will erst raus, wenn es für mich stimmt. Aber es ist schon ein grosser Wunsch von mir, mehr freie Arbeiten zu machen.“ In fünf Jahren möchte der Fotokünstler die Prioritäten verschieben, von der Auftrags- zur freien Fotografie. Auch in diesem Bereich verschmelzen sein Charakter und die Philosophie der Leica. Jedoch ausschliesslich mit analogen Kameras, vor allem der Leica M6. „ Es ist ein langsames Schaffen. Zeit und Geduld sind wichtig. Vor allem auch für die Arbeit in meinem Fotolabor. Für einen grossen Abzug habe ich auch schon zehn Stunden investiert. Da muss einfach alles stimmen.“


 

Auszüge aus dem Buch Landluft – Bergbäuerinnen im Porträt. Zwölf Frauen zwischen 18 und 86 Jahren erzählen aus ihrem Leben als Bergbäuerin.


Zum Schluss des sehr interessanten und spannenden Gesprächs möchte ich von Stephan Bösch noch wissen, was er über die heutige, schnelllebige Zeit denkt, welche sich ja auch in der Fotografie wiederspiegelt. „Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, dass die Fotografie als Kunst tot sei. Klar bin ich nicht einverstanden, nehme es aber zur Kenntnis. Es ist doch so, dass der oberflächliche Zeitgeist überall zum Vorschein kommt. Auch in der Fotografie. Aber ich nehme es nicht als Bedrohung war. Im Gegenteil, es macht meine Arbeit wertvoller. Sie erhält mehr Wert, weil sie Tiefgang hat und ehrlich ist.“

Über Stephan Bösch

 Stephan Bösch bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Auftragsfotografie und Fotokunst. Für seine Kunden realisiert er Aufnahmen in den Bereichen Portrait, Reportage, Landschaft und Architektur. Das verfassen von Texten zu seinen fotografischen Arbeiten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Inspiration findet er überall. Jede Handlung, jeder Moment ist bedeutend, wenn man ihn bewusst wahrnimmt.

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