Stephen Vanasco, in New York geboren, in Los Angeles aufgewachsen, ist ein Fotograf, der stark von der Skateboard-Szene der 90er-Jahre beeinflusst ist. Die Bebilderung der frühen Skateboard-Magazine und die Energie, die Stephen in diesen Aufnahmen sah, halfen ihm, sich das kreative Potenzial der Fotografie zu erschließen. Er ist keiner, der abwartet, ob sich irgendwie eine Gelegenheit ergibt, sondern er nutzt die Chance und folgte seiner Leidenschaft für die Fotografie. Jetzt bereist er als professioneller Fotograf die Welt und arbeitet an seinem Mix aus Mode-, Musik-, Street und Skateboarding-Fotografie, unter anderem auch für seine eigene Lifstyle-Marke V/SUAL. Diese Schwarz-Weiß-Serie, die ausschließlich in Los Angeles entstand, repräsentiert Vanascos persönliche Sichtweise auf das, was er als „Schmelztiegel der Architektur“ bezeichnet. Wir sprachen mit ihm über sein Verständnis von Schwarz-Weiß-Fotografie, seine Wertschätzung minimalen Designs und warum jeder L.A. aus der Vogelperspektive sehen sollte.

Wann fingen Sie an mit Leica zu fotografieren?

Meine erste Leica, eine gebrauchte M6 mit einem 35er-Summicron, habe ich 2012 gekauft. In den Jahren, in denen ich mit Leica Kameras fotografiert habe, habe ich verschiedene Dinge an ihnen schätzen gelernt. Zum Beispiel die schiere Qualität der Kameras und Objektive sowie das klare Design der Systeme und Menüs, das es einem Fotografen so einfach wie möglich macht, eine Kamera in die Hand zu nehmen und kreativ zu werden – besonders im digitalen Zeitalter. Noch wichtiger ist das Konzept, mit dem Leica Kameras herstellt, wie es kein anderes Unternehmen wagen würde, sei es die digitale Schwarz-Weiß-Kamera M Monochrom (Typ 246), die displaylose M10-D oder eine analoge Kamera wie die M-A. Daraus spricht die Haltung, einzigartige Werkzeuge für Kreative zu entwickeln. Leica versteht seine Kernzielgruppe und versucht erst gar nicht, gewöhnliche Produkte in der Hoffnung herzustellen, dass die breite Masse sie kauft.

Diese schwarz-weiße Serie, die sich auf die Architektur von Los Angeles konzentriert, erzählt von einer Stadt, die durch ihre kontrastreichen physischen Elemente besticht. Poliertes Glas und Metall, verwinkelte Straßen, kolossale Steinplatten, Maschendrahtzäune, und monolithische Wolkenkratzer. Wie hängt dieses Bild der Stadt mit Ihren persönlichen Erfahrungen von L.A. zusammen?

L.A. ist durch eine ausgedehnte Stadtlandschaft geprägt. Man fährt ein paar Kilometer und schon ist man in einer ganz anderen Umgebung. Das fällt vor allem in den boomenden Sanierungsgebieten ins Auge. Man sieht förmlich den Übergang von diesen erstaunlich klassischen und zeitlosen Gebäuden, wie etwa in der Innenstadt, zu den neuen modernen Gebäuden direkt daneben. L.A. ist eine Stadt der Kontraste.

Die Luftaufnahmen und Stadtpanoramen belegen Ihr enormes Gespür für Größenverhältnisse und zeigen die Stadt gleichzeitig in ihrer geografischen Umgebung. Wie sind Sie bei der Aufnahme dieser Bilder vorgegangen?

Los Angeles gehört zu den Orten, die ich jedem empfehle, sich irgendwann im Leben einmal aus einem Hubschrauber anzusehen. Besonders den Einheimischen. Als ich vor fünf Jahren mit Luftaufnahmen anfing, war ich von dieser Art der Fotografie begeistert. Wenn ich zu Hause in L.A. bin, versuche ich seither, so oft wie möglich zu fliegen. Ich bevorzuge Flüge in Hubschraubern ohne Türen. Die Aussichten werden nie langweilig und das Tempo auch nicht. Als Kamerasystem bevorzuge ich das Leica S-System, weil ich die enorme Vielseitigkeit der Stadt damit perfekt einfangen kann. Mit diesem System ist es mir möglich, so viele Details in ein Bild zu bringen. Es ist auch der Grund, weshalb ich keine Drohne besitze, denn ich möchte meine Bilder in der höchstmöglichen Qualität machen. Aus der Luft mache ich die besten Aufnahmen mit dem S-System.

Im Kontrast zu diesen Aufnahmen gehören zu Ihrer Serie auch abstrakte Kompositionen moderner Architektur. Wie sind Sie bei diesen Bildern vorgegangen? Und was wollten Sie mit ihnen ausdrücken?

Ich glaube, es ist nur die Liebe zum Detail. Wie Charles Eames sagte: „Die Details sind nicht die Details, sie machen das Design.“ Als ich das hörte, konzentrierte ich mich auf die Designdetails dieser Gebäude. Anstatt mich mit dem Gesamtbild zufriedenzugeben, wollte ich untersuchen, wie sich die Wahrnehmung entwickelt, wenn man dichter herangeht. Normalerweise habe ich mit einem 50er oder 135er gearbeitet, um diese Details zu zeigen und zu verdichten. Auch hier gilt: Der Einsatz einer längeren Brennweite lässt Sie Dinge anders sehen.

Sie haben diese Serie bei unterschiedlichen Wetterbedingungen aufgenommen, in heller Sonne mit starken Schatten, auch bei Nebel oder bewölktem Himmel. Wie sehr hängen Ihre Shootings vom Wetter ab? Oder, wie beeinflussen die Wetterbedingungen Ihre Vorgehensweise?

L.A. ist einer dieser Orte, an denen man das Gefühl hat, dass sich das Wetter das ganze Jahr über nicht groß ändert. Wenn die Bedingungen etwas dramatischer sind, inspiriert mich das definitiv zum Fotografieren. Dunkle Wolken über Los Angeles können einem Bild so viel mehr Textur verleihen. Aber ich bin ein Fan von klarem Himmel mit hartem Licht. Besonders bei der Arbeit mit der M Monochrom (Typ 246). Ich liebe es, starke Schatten und Linien in den Gebäuden interpretieren zu können. In gewisser Weise schneide ich mit meiner Kamera Formen aus.

Woher rührt Ihr Interesse an der Schwarz-Weiß-Fotografie? Was hat Schwarz-Weiß, das Farbe nicht hat?

Schwarz-Weiß lenkt weniger ab. Konzentration auf die reinen Elemente der Fotografie. Zum Beispiel Komposition, Motiv, Verwendung von Licht und Schatten. Ein Foto auf das Wesentliche zu reduzieren. Im Vergleich zu Farbfotos sind Schwarz-Weiß-Fotos bloße Skelette. Eine ehrliche Form, einen Moment durch die Kamera zu verwandeln. Das soll nicht heißen, dass Farbfotografie nicht ehrlich sein kann, aber manchmal kann eine Farbe herausstechen und etwas von dem wegnehmen, was wirklich auf dem Bild vor sich geht.

Sie haben bereits erwähnt, dass Sie Ihre Luftaufnahmen mit der Leica S machen, aber Sie fotografieren auch mit der Leica M Monochrom und der Leica MP. Wie hängt die Wahl der Kamera von der Aufnahme ab, die Sie machen wollen?

Ob ich die Leica M Monochrom oder die Leica MP verwende, hängt allein von meiner Stimmung ab. An der Leica S schätze ich die hohe Detailqualität. Ein Foto im Großformatdruck aufzublasen und alles zu sehen, ist erstaunlich. Die M Monochrom (Typ 246) ist für mich eines der puristischsten Werkzeuge in der digitalen Fotografie. Arbeiten mit allen Details, die ich vorhin erwähnt habe, ohne dass ein Filter oder eine Bildkonvertierung erforderlich sind. Dein Bild ist reines Schwarz-Weiß. Und die Leica MP ist für mich einfach ein großartiges, zeitloses fotografisches Werkzeug. Es ist auf Langlebigkeit ausgelegt und das spürt man auch.

Sie fotografieren sowohl digital als auch analog, was macht für Sie den Unterschied aus? Gibt es überhaupt einen?

Ich habe gelernt, nicht zwischen analog und digital zu unterscheiden. Obwohl es technisch gesehen in der Praxis einen Unterschied bei Aufnahme und Postproduktion gibt, kommt es am Ende doch auf die Botschaft der Fotografie an. Das geht über das Medium hinaus und sollte beim Fotografieren immer an erster Stelle stehen, unabhängig vom Werkzeug.

Sie sind nicht nur Fotograf, sondern auch Besitzer der Skateboard- und Bekleidungsfirma V/SUAL. Wie beeinflussen sich Fotografie und Ihre Arbeit für V/SUAL gegenseitig?

V/SUAL ist ein erstaunliches Ventil. Ich decke mit meiner Fotografie eine Vielzahl von Themen ab und arbeite gerne mit unserem Designer zusammen, um die Bilder auf verschiedene Weise zu gestalten. Ob Kleidung, Skateboards oder Accessoires. Besonders unterhaltsam kann es sein, neue Wege zu erarbeiten, seine Fotos mit unterschiedlichen Formen des Drucks zu realisieren.

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade und was haben Sie in der Planung?

Ich habe gerade ein gemeinsames Projekt mit Visual and Boogie veröffentlicht. Ich war schon immer ein Fan seiner Arbeit. Deshalb war dies eine großartige Erfahrung. Was andere Dinge betrifft, so schließe ich gerade das Jahr 2018 ab und plane für das nächste Jahr. Ich habe vor Kurzem einen virtuellen Trommelscanner gekauft und habe in diesem Jahr viel Zeit damit verbracht, alle analogen Fotos der letzten zehn Jahre neu zu scannen. Ich werde die Aufnahmen dann für meine kommenden Projekte sortieren.

Welchen Rat können Sie Ihren Berufskollegen geben?

Nimm ein Foto nicht einfach nur auf … gestalte es!

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