Nach erfolgreicher Tournee durch die großen Museen Europas hat die Ausstellung bedeutender Leica Fotografien ihre letzte Station im Ernst Leitz Museum in Wetzlar. Nutzen Sie die Gelegenheit diese einzigartigen Bildikonen, eindrucksvolle Zeitdokumente und magische Momente der Fotografie-Geschichte noch bis zum 9. Juni zu erleben.

© François Fontaine: Grace Kelly, To Catch a Thief (Alfred Hitchcock, 1955), work cycle „Silenzio! Mémoires de Cinéma”, 2012
François Fontaine: Grace Kelly: To Catch a Thief (Alfred Hitchcock, 1955)
Aus dem Zyklus „Silenzio! Mémoires de Cinéma“, 2012

Traditionell ist Bildschärfe ein hohes Gut in der Fotografie. Gerade Leica Fotografen schätzen die Qualität der Objektive. Schon in der allerersten, in Serie gefertigten Leica von 1925 sorgte das von Max Berek gerechnete Elmar für vorzügliche optische Eigenschaften. Was seitdem zählt, ist das scharfe, gut durchgezeichnete Bild. Es ist das Ziel ambitionierter Fotografen. Dabei ist Schärfe kein Wert an sich. Spätestens seit den Impressionisten sollten wir wissen: Nicht jedes scharfe Bild ist ein gutes Bild. Auch und gerade die Unschärfe kann ein Stilmittel sein. Und nicht zuletzt die Futuristen haben bewiesen, wie sich mit dem Mittel der Bewegungsunschärfe Dynamik, das Tempo des technischen Zeitalters visualisieren lässt.

Nicht das Tempo, die Bewegung ist es, die den 1968 in Paris geborenen Fotografen François Fontaine umtreibt. Ihn beschäftigt die Frage, wie wir Bilder sehen und erinnern. Wie funktioniert unser inneres Bildarchiv? Und ist das, was aus der Tiefe unserer Erinnerung kommt, notwendigerweise scharf? In einer Art Versuchsreihe hat Fontaine Klassiker der Filmkunst projiziert und Schlüsselmomente – bewusst unscharf – abfotografiert. Aus Streifen von Terence Malick oder Alfred Hitchcock, Victor Fleming oder Jean-Luc Godard hat er sich Bilder ausgeliehen und konfrontiert uns nun mit diesen angehaltenen und auf unscharf gestellten Szenen. Was sehen, was erinnern wir? Genügt die Silhouette, die Pose, das Farbsignal um einen Vorgang des Erinnerns in Gang zu setzen? Fontaines Arbeit ist zugleich subtil wie sinnlich, philosophisch anspruchsvoll wie spielerisch, konsequent in der konzeptionellen Umsetzung und eine intellektuelle Bereicherung dessen, was als Leica Fotografie firmiert.

Text von Hans-Michael Koetzle, Kurator der Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie Ausstellung

Die Leica. Gestern. Heute. Morgen.

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