Nach erfolgreicher Tournee durch die großen Museen Europas hat die Ausstellung bedeutender Leica Fotografien ihre letzte Station im Ernst Leitz Museum in Wetzlar. Nutzen Sie die Gelegenheit diese einzigartigen Bildikonen, eindrucksvolle Zeitdokumente und magische Momente der Fotografie-Geschichte noch bis zum 9. Juni zu erleben.

 © Julia Baier: Untitled - work cycle „Geschwebe”, 2014
© Julia Baier: Untitled – work cycle „Geschwebe”, 2014

Julia Baier: untitled
Aus dem Zyklus „Geschwebe“, 2014

Julia Baier, 1971 in Augsburg geboren, heute in Berlin zuhause, zählt zu jener jüngeren Generation ambitionierter Leica-Fotografinnen und -Fotografen, die mit ihrer Arbeit ganz bewusst neue Wege gehen. Dreierlei lehrt uns ihr Zyklus „Geschwebe“. Erstens: Für Baier geht es nicht mehr darum, die Welt oder das Weltgeschehen zu dokumentieren. Für sie ist der Alltag durchfotografiert. Was Baier interessiert, ist das Medium selbst. Fotografierend fragt sie, wie fotografische Bilder funktionieren, wie sich unser Sehen, unsere Wahrnehmung gestaltet. Nicht um Information geht es, sondern eher um Irritation. Nicht um Aufklärung, sondern um ein Zweifeln an der Aufrichtigkeit einer fotografischen Ikonografie. Baier, und dies wäre der zweite Punkt, sieht sich nicht mehr als Dokumentaristin, wie eine Fotografengeneration vor ihr. Sie definiert sich als Künstlerin, die nach sehr persönlichen Antworten auf komplexe Fragen sucht. Und drittens: Baier zeigt, dass man nicht weit reisen muss, keine fernen oder exotischen Gegenden braucht, um zu plausiblen Bildergebnissen zu gelangen. In unserem Fall ist es der schlichte Blick in einen Berliner Hinterhof, den uns Baier präsentiert.

Jemand hat Schnee geschippt, Gehwege sind frei geräumt. Ein paar Fahrräder stehen herum. Mülltonnen. Ein Hauseingang. Aber es braucht schon seine Zeit, bis man das schwarzweiße Bild dechiffriert hat. Und genau das ist das Ziel der Kamerakunst von Julia Baier. In einer Zeit suggestiver, schneller, bunter Bilder schaltet sie einen Ganz zurück, stiftet Rätsel, lädt ein zum Verweilen, provoziert Nachdenken, strengt bewusst unser Sehen an. Baiers Bilder machen stutzig. Zwingen zum genauen Sehen, was mitunter auch bedeutet, dass man einen Schritt zurücktritt. Denn auch das gehört zum postmodernen Konzept der jungen Künstlerin: Dass sie uns mit großen Formaten konfrontiert: Mit einer der Tafelmalerei angenäherten Kamerakunst – bei ihr ganz selbstverständlich in Schwarzweiß.

Text von Hans-Michael Koetzle, Kurator der Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie Ausstellung

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