Ein leeres Blatt Papier – der Ausgangspunkt für jede konzeptionelle Arbeit. Bei Robin Maddock handelte es sich um Fotopapier … und als das erste gelungene Bild im Kasten war, hatte er schon das vollendete Buch vor Augen. Das ist der Ausgangspunkt für die Serie III. Maddock fotografierte drei Dinge, die alle einen Bezug zu den Begriffen „Bewegung“ und „Flüchtigkeit“ haben. Die Gegenstände auf seinen Bildern halten auf ihrer Reise kurz inne – bevor sie leichtfüßig und kurvenreich davonspringen, -fliegen oder -fließen.

Ein Tischtennisball, ein leeres Blatt Papier und verschüttete Milch – auf den ersten Blick drei sehr unterschiedliche Objekte. Wie ist die Idee entstanden, sie in einer Serie zu kombinieren?

Es begann alles mit dem Tischtennisball. Ich kann mich noch an die Bank erinnern, auf der ich saß, als ich anfing, den Ball zu werfen. Ich dachte an den Tim-und-Struppi-Comic Der Fall Bienlein, in dem ein kleines quadratisches Stück Klebeband um die Welt reist – ein Objekt auf einer Reise. Ebenso wichtig war eine Folge von Rupert Bär, in der ein Ball von alleine wegläuft.

Und warum Milch und Papier?

Ich wollte das Gefühl vermitteln, dass sich eine Form bewegen, dass sie sich ändern kann. Ich benutzte in verschiedenen Städten jeweils andere weiße Objekte: Milch in San Francisco, den Tischtennisball in Los Angeles und Papier in New York und San Francisco. Es war gut zu wissen, mit welchem Objekt ich zu einer bestimmten Zeit arbeitete, so konnte ich meine Gedanken treiben lassen.

Ist es die Bewegung, die die Objekte verbindet?

Ja, Leichtigkeit und Kürze, dann macht etwas vor der Kamera Halt, dann auf dem Papier. Es gibt Momente, in denen ich im Buch zur Serie III eine Seite umblättere und plötzlich gehen die Kategorien ineinander über – das sind die Momente, in denen ich am glücklichsten bin.

Sie haben für dieses Projekt eine analoge Leica verwendet …

Ja, eine R 6.2. Das war die erste „richtige“ Kamera, die ich mir gekauft habe, vor allem, weil mir der Verkäufer sagte, dass Sebastião Salgado eine benutzt habe. Die Fotografie habe ich mit der alten Spiegelreflexkamera meines Vaters erlernt – ich mag es, wenn das, was man sieht, genau das ist, was man bekommt. Ich mag auch den Sound beim Auslösen – wirklich laut! Ich erkenne all meine Kameras am Klicken.

Die Leica. Gestern. Heute. Morgen.

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Vor dieser Serie haben Sie in Farbe fotografiert. Warum haben Sie sich hier für Schwarz-Weiß entschieden?

Weil es abstrakter wird. Damit habe ich es mir selbst schwerer gemacht, denn in Los Angeles dreht sich alles um Licht und Farbe und ich bin in erster Linie Farbfotograf. Ich wollte auch etwas Zeitloses schaffen, das sich auf die Ära einiger meiner amerikanischen Lieblingskünstler bezieht: Charles Bukowski, John Fante, Raymond Chandler, Walker Evans und andere. Die Aufnahme auf Film bringt auch einen anderen physikalischen Aspekt ins Spiel: das Timing einer Aufnahme bei hoher Geschwindigkeit in großartigem Licht – die Herstellung von etwas Skulpturalem aus einfachen Materialien wirkte wunderbar befreiend auf mich.

Welche anderen Künstler haben Ihre Arbeit inspiriert?

Einige Künstler, die meine Arbeit derzeit oder von Anfang an inspirieren, sind Walker Evans, William Eggleston, John Myers, Dana Lixenberg, Sergio Larraín, Tom Wood, Gabriel Orozco, Andrea Mantegna, Vincent van Gogh, Francisco di Goya, Albrecht Dürer und noch viele andere.

Worin besteht die größte Herausforderung beim Fotografieren?

Für mich liegt die größte Herausforderung darin, meine Zurückhaltung aufzugeben, die Diskrepanz zwischen mir und einem Fremden zu überwinden und das Bild zu machen, das ihm gerecht wird. Man sieht den meisten Porträts an, dass das bei dem, was wir tun, noch immer das größte Geheimnis zu sein scheint. Das gibt mir die Hoffnung, dass ich die ganze Zeit über menschliche Fähigkeiten lerne, allein durch das Fotografieren des täglichen Lebens.

 

Robin Maddock wurde 1972 in England geboren. Bevor er einen Master-Studiengang in Fotografie an der Universität Westminster absolvierte, hatte er Archäologie in Wales studiert. Sein erstes Fotobuch, Our Kids Are Going to Hell, erschien 2009, gefolgt von God Forgotten Face 2011. Die hier vorgestellte Serie wurde 2014 unter dem Titel III veröffentlicht und ist zu sehen unter LFI 4.2019

Wenn Sie mehr Fotografie von Robin Maddock sehen oder sein Buch bestellen möchten, besuchen Sie seine Website.