Pove the Great ist eine intime Geschichte und viel persönlicher als die Foto-Bücher, die Dan Wood bisher veröffentlichte.

Dan Wood hat Pove the Great in Bridgend und Umgebung an der Südküste von Wales fotografiert. Das Buch dreht sich um eine Person, Steve Povey, den der Fotograf als „unruhige Seele“ beschreibt, und zeigt Steves Verbundenheit mit dem Wald, der ein Ort der „vorübergehenden Flucht aus der modernen Welt“ ist. Wir sprachen mit Dan Wood über seine Arbeit und über das neue Buch, das bereits fast ausverkauft ist.

Was interessiert Sie am meisten an der Fotografie? Worauf konzentrieren Sie sich?
Mein Hauptinteresse gilt dem wirklichen Leben und den Geschichten, die ich darüber erzählen kann. Das ist eine Leidenschaft schon aus der Zeit meiner Kindheit, ich freue mich immer wieder darüber, vorübergehend in das Leben eines Menschen eingeladen zu werden, und gebe mein Bestes, dieses Privileg nicht auszunutzen. Ich beziehe meine Protagonisten immer in den gesamten Prozess ein. Ich bezahle sie für ihre Zeit und Mühe mit Büchern und Grafiken – ich habe nicht viel Geld, aber es ist mir wichtig, Menschen, die einen Beitrag geleistet und einem Projekt geholfen haben, etwas zurückzugeben.

Wie ist diese Serie entstanden?
Als jemand, der in erster Linie an langfristigen dokumentarischen Projekten arbeitet, die sich in der Regel über Jahre erstrecken, hatte ich vor einiger Zeit das Gefühl, bei einem meiner Vorhaben eine Pause einlegen zu müssen. Ich nahm mir ein weniger langes Projekt vor: die Charakterstudie einer Person. Dass sich Steves und meine Wege kreuzten, war der Auslöser.

Wie haben Sie Steve kennengelernt und sein Vertrauen gewonnen?
Ich kenne Steve seit über 25 Jahren, aus der Zeit, in der ich Skateboard fuhr und in ein paar Punkrock-Bands trommelte, aber wir haben uns aus den Augen verloren. Ich war jedoch mit ihm auf Facebook befreundet, sodass ich ein wenig davon mitbekam, was er so trieb. Er postete sporadisch Fotos und Videos von sich, wie er mit seinem Hund draußen im Wald übernachtete. Ich war fasziniert und fragte mich, warum er das machte. Jahre später, als ich gerade für einen Auftrag fotografierte, traf ich ihn zufällig mit seinem Hund. Wir unterhielten uns und ich fragte, ob ich ihn im Wald porträtieren könnte. Steve stimmte zu, er war sehr angetan von der Idee. Das machte alles viel einfacher – Vertrauen war nie ein Thema, da wir uns schon so lange kannten.

War es schwierig, Steve davon zu überzeugen, sich fotografieren zu lassen?
Nein, er war froh, fotografiert zu werden, und verstand von Anfang an, was ich machte. Was ursprünglich nur als einmaliges Porträt gedacht war, entwickelte sich nach unserem ersten Treffen zu etwas Größerem. Wir verbrachten mehr Zeit miteinander im Wald, fotografierten und redeten. Steve und ich haben es wirklich genossen.

Haben Sie etwas für sich selbst gelernt?
Ich habe so viel über das Leben im Allgemeinen erfahren. Steves Geschichte hat mich tief berührt und ich hatte Mühe zu verstehen, wie er so positiv bleiben konnte, obwohl bei ihm gerade akutes Leberversagen aufgrund von Alkoholismus diagnostiziert wurde. Sein Mantra lautet: „Gebt auf einander acht!“ Damit hat er natürlich Recht – die Welt wäre sicherlich ein besserer Ort, wenn wir das alle täten.

Wie haben Sie die Auswahl der Aufnahmen für das Buch getroffen?
In einem Vierteljahr habe ich etwa 250 Bilder aufgenommen. Die Auswahl für das Buch fiel mir schwer, nachdem ich 47 Aufnahmen in der engeren Wahl hatte, bat ich meinen Freund Ben, sich die Bilder mit frischen Augen anzusehen. Ben ist ein sehr guter Bildredakteur und half mir, die Anzahl auf rund 35 Bilder zu reduzieren. Einer der besten Ratschläge, die ich je erhalten habe, ist der, seine Arbeit so vielen Menschen wie möglich zu zeigen und zu lernen, Kritik anzunehmen. Das ist manchmal nicht leicht, aber entscheidend ist doch, dass es mich zu einem besseren Fotografen und Herausgeber meiner Arbeit macht.

Welche Rolle spielt Leica in Ihrer Fotografie??
Meine erste Leica, eine M6 mit 35-mm-Summilux, habe ich 2003 erworben. Zuerst mochte ich sie wegen des Messsuchersystems, an das ich nicht gewöhnt war, nicht. Aber ich gab nicht auf und wollte mir das Potenzial der Kamera erschließen. Als es soweit war, habe ich mich in die Kamera verliebt, sie wurde ein Teil von mir und ich habe zehn Jahre keine andere Kamera angefasst. Inzwischen besitze ich eine Reihe von Leicas: drei M6, eine M4-P, eine M7 und schließlich die analoge MP, mit der ich dieses Projekt fotografiert habe. Es war das perfekte Werkzeug für diese Art von Serie, bei der die Dinge schneller als sonst ablaufen. Die Leica ist meine Alltagskamera und ich nehme sie überall hin mit – sie liegt immer einsatzbereit im Regal neben meinem Stuhl. Ich glaube, wenn ich die Leica nicht entdeckt hätte, hätte ich die Fotografie schon vor langer Zeit aufgegeben.

Wie wichtig ist die walisische Landschaft für Ihre Fotografie?
Wales ist etwas ganz Besonderes und das bestgehütete Geheimnis Großbritanniens! Es ist wunderschön und hat so viel zu bieten: die Menschen, die Städte, die Täler, die schöne Küste und die Berge. Wales lebt im Schatten von England, Schottland und Irland und kämpft darum, eine Stimme zu finden – gerade jetzt in diesen politisch unruhigen Zeiten des Brexits. Ich tue alles, was ich kann, um Wales durch meine Fotografie eine Stimme zu geben und der Welt zu zeigen, wie es aussieht. Nicht nur die Landschaft, alles an Wales inspiriert mich immer wieder aufs Neue und ich möchte jeden Quadratzentimeter erforschen und seine Geheimnisse aufdecken! Kommt nach Wales, ihr werdet es lieben! Versprochen!

Wann wird Ihre Serie ausgestellt?
Es gibt noch keine Pläne für eine Ausstellung, aber Pove the Great ist definitiv eine Serie, die ich irgendwann einmal ausstellen möchte. Ich glaube, dass die Menschen Steves Geschichte sehen müssen, um die traurige Tatsache zu begreifen, dass Menschen wie er draußen am Rande der Gesellschaft leben.

Dan Wood wurde 1974 in Wales geboren. Er ist autodidaktischer Dokumentar- und Porträtfotograf, der das Metier in den frühen 90er-Jahren durch die Skateboard-Szene entdeckte. Seine Arbeiten erschienen in zahlreichen Publikationen, darunter „The British Journal of Photography“, „CCQ Magazine“, „Ernest Journal“ und „Jungle Magazine“. Er hat an über 45 Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, darunter sechs Einzelausstellungen. Im Jahr 2018 war er einer der Gewinner des Portrait of Britain Prize.

Erfahren Sie mehr über die Fotografie von Dan Wood auf seiner Website.

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Pove the Great. Selbstveröffentlichte, limitierte Auflage von 100 signierten und nummerierten Exemplaren, die nahezu ausverkauft ist. Das Buch wird mit einem signierten, 20 x 15 cm großen Druck (GSM Lustre 280) geliefert.
19 x 23,5 cm, Softcover, 58 Seiten. Es ist hier erhältlich.