Sting, Bela B., Ed Sheeran, Karolina Kurkova – sie alle halten ein Pappschild mit einer Losung in der Hand und lassen sich von Ihnen fotografieren. Wie haben Sie das geschafft?

Ja, das frage ich mich auch … Zunächst lief es zögerlich, aber im Laufe der Zeit wurden es immer mehr – 150 Leute in anderthalb Jahren. Es funktionierte wie ein Stein, den man ins Rollen bringt. Ich denke: Wasser ist ein Thema, das uns alle angeht. Es ist aber auch ein weiches Thema, niemand muss sich dafür politisch weit aus dem Fenster lehnen. Man kann dafür problemlos mit seinem Gesicht einstehen.

 

Wie kam es zu der Kampagne?

Am Anfang stand ein Kunstprojekt, in dem ein Künstler meine Fotografien übermalt hat – anschließend wurden sie versteigert. Sie brachten Geld, aber immer noch zu wenig Aufmerksamkeit, denn am Ende hingen die Kunstwerke an den Wänden privater Wohnzimmer. Und so überlegten Viva con Agua und ich, die prominenten Gesichter auf eine Weise zu nutzen, die die Organisation über die Social-Media-Kanäle und auch weltweit bekannt macht.

 

In Zeiten farbenfroher Plattformen wie Instagram wirken Ihre Aufnahmen sehr klassisch, beinahe puristisch.

Wie viele Ideen ist das Konzept in einer Nacht- und Nebelaktion entstanden. Ich habe mit dem Geschäftsführer von Viva con Agua telefoniert und wir waren uns einig, dass die Kampagne möglichst einfach sein soll. Der Slogan „Water is a Human Right“ war schnell gefunden. Noch während des Telefonats lief ich hinunter auf die Straße und zog eine Pappe aus dem Müll. Meine Frau hat dann den Spruch darauf geschrieben und seither reise ich mit dem Pappschild quasi um die Welt. Ich finde immer: Das Einfache funktioniert am besten. Je mehr man sich einen Kopf macht, umso komplizierter wird es. Zu den einfachen Dingen gehört für mich auch die Schwarz-Weiß-Fotografie. Sie ist klar und lenkt nicht ab. Es geht nicht darum, was der Porträtierte anhat, auch nicht um sein Gesicht. Das Statement spielt die Hauptrolle.

 

Was wollt ihr mit der Kampagne erreichen?

Es geht uns darum, die Menschen für das Thema Wasser, den Umgang und die Nöte damit, zu sensibilisieren. Wasser ist ein Rohstoff, der immer weniger wird, um den hart gekämpft wird und um den meiner Meinung nach demnächst auch Kriege geführt werden. Im vergangenen Jahr bin ich mit Viva con Agua nach Nepal gereist. Dort brauchen die Menschen in den Gebirgen auf 4000 bis 5000 Metern Höhe etwa zwei bis drei Stunden, um an Wasser zu kommen. Durch einen zentralen Verteiler könnten sie in 20 Minuten an die nächste Quelle gelangen. Ziel der Kampagne ist es, möglichst vielen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen und Unterstützung dafür zu finden. Ein Brunnen in Afrika zum Beispiel kostet 11.000 Euro.

 

Was gehört außer dem Pappschild noch zu Ihrer Viva-con-Agua-Ausrüstung?

Eine Leinwand, ein Hocker, die Kamera und das Licht. Das ist alles. Der Aufbau muss schnell gehen, manchmal haben die Künstler nur fünf Minuten Zeit, manchmal ist die Raumhöhe sehr niedirg. Vieles entsteht spontan, dann muss improvisiert werden. Das Wichtigste in der Fotografie ist für mich allerdings auch nicht die Technik, sondern dass man Vertrauen bei seinem Gegenüber schafft.

 

Sie unterstützen die Kampagne ehrenamtlich. Bei Sting sind Sie sogar 1000 Kilometer weit gefahren, um ihn zu fotografieren. Warum?

Abgesehen davon, dass ich sehr wasseraffin bin und selbst Wassersport treibe, ist Wasser ein Element, das für Menschen unersetzlich ist. Ich bin viel gereist und habe Länder kennengelernt, in denen mit Wasser Geld verdient wird, in denen der verarmten Bevölkerung kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Als Vater von zwei Kindern liegt mir die Umweltproblematik aber sehr am Herzen. Ich fühle mich bei Viva con Agua daher sehr gut aufgehoben, ich bin Teil eines Mikrokosmos, dem ich als Künstler unter die Arme greifen kann. Ich bin insgesamt fast 15.000 Kilometer für das Projekt gefahren. Es geht viel Zeit drauf, aber es kommt auch viel zurück.

 

Beim Festival der Millerntor Gallery war 2019 auch Leica mit dabei und hat Ihr Pappschild für Besucher in einem Studio vor Ort gegen eine Spende an Viva con Agua fotografiert. Parallel wurden Ihre Bilder im Millerntor-Stadion plakatiert.

Ja, das war das erste Mal, dass sie gedruckt wurden. Und es sah fantastisch aus. Normalerweise werden die Bilder digital verbreitet. Aber das könnte ein nächster Schritt sein: Die Fotografien werden handsigniert als Kunstwerke versteigert, anschließend noch das Original-Pappschild und mein Holzhocker, auf dem übrigens jedes Mal die Prominenten unterschrieben haben. Allmählich ist da kein Platz mehr.

 

Zu den Prominenten gehören Schauspieler, Musiker und Künstler. Zuletzt sind Sie Herbert Grönemeyer in Ihrer Heimatstadt Erfurt begegnet. Wer wird der Nächste sein und wen hätten Sie noch gern?

Optionen in naher Zukunft sind der Dalai Lama, Neymar und Udo Lindenberg. Und bei Barack Obama würde ich sicherlich nicht Nein sagen.

 

BIO:

„Erst wenn sich ein Mensch öffnet, kann ich mit der Kamera die Geschichte einfangen, die sonst vielleicht verborgen geblieben wäre“, sagt Marco Fischer. In Erfurt geboren, zog es den Fotografen im Alter von 18 Jahren in die weite Welt, so lebte er in Barcelona und Ibiza. Nun ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Dort hat er jetzt ein eigenes Studio, ist aber trotzdem ständig unterwegs. Er fotografiert unter anderem für „Harper’s Bazaar“, das „Zeit Magazin“, „Geo“, Adidas, Odlo, Boss und Versace.

Weitere Informationen über den Fotografen Marco Fischer finden Sie auf seiner Website und auf Instagram.

Die nächste Millerntor Gallery findet vom 09.07. bis 12.07.2020 statt und Leica freut sich auch im nächsten Jahr wieder einen kleinen Teil beizutragen.

Die Leica. Gestern. Heute. Morgen.

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