Im Himalaja und den Anden lebt ein Großteil der Bevölkerung in extrem abgeschiedenen Regionen auf einer Höhe von 2.500 bis 5.000 Metern – und ist dort das ganze Jahr schädlichen UV-Strahlen besonders intensiv ausgesetzt. Dabei könnte man dem so einfach vorbeugen: mit Sonnenbrillen. Fotograf Sebastian Berthold hat das Hilfsprojekt Shades Of Love mit seiner Leica M9-P begleitet.

Die Organisation Shades Of Love sammelt neue und gebrauchte Sonnenbrillen und verteilt sie in den abgelegenen Hochgebirgsregionen. So können schwere Augenerkrankungen und -entzündungen vermieden werden, erklärt uns Mitgründer Niklas Huppmann im Gespräch. Der Einundzwanzigjährige hat das Projekt gemeinsam mit Jürgen Altman 2009 gegründet. Seit dem konnten über 300.000 Menschen geholfen werden. Die Idee ist dabei so einfach wie genial. Menschen spenden ihre alten Sonnenbrillen, Shades Of Love lässt diese in einer Inklusionswerkstatt in Koblenz auf ausreichenden UV-Schutz und mögliche Schäden prüfen und bei Bedarf reparieren. Danach werden die Brillen in den abgeschiedenen Regionen des Himalajas und in den Anden an die Menschen verteilt. Entsprechende Spendenboxen finden sich europaweit etwa bei Augenoptikern, Bäckereien etc. Darüber hinaus unterstützen auch Sonnenbrillenhersteller direkt, indem sie große Mengen dem Hilfsprojekt kostenlos zur Verfügung stellen.

Direkte Hilfe vor Ort

„Viele Menschen in den betroffenen Regionen arbeiten auf den Feldern und sind der UV-Belastung dauerhaft ausgesetzt“, berichtet Niklas Huppmann. „Doch durch eine einfache Sonnenbrille kann entscheidend geholfen werden. So können die Dorfbewohner im Himalaja und in den Anden etwa ihrer Beschäftigung zwanzig bis dreißig Jahre länger nachgehen und somit den Familienunterhalt sicherstellen“, so Huppmann. Dadurch besuchen etwa Kinder länger die Schule, da sie nicht – wie sonst üblich – in bereits jungen Jahren die Tätigkeit ihrer erkrankten Eltern übernehmen müssen. Zudem steigt die Lebenszufriedenheit an. „Das kann man den Menschen ansehen“, erzählt der Gründer weiter. Bei der letzten Reise im Sommer 2019 war auch Fotograf Sebastian Berthold mit von der Partie. Gemeinsam mit Niklas Huppmann und drei Freunden reiste er in abgeschiedene Regionen des Himalajas in der Kaschmirregion. Dabei kam die Zusammenarbeit eher zufällig zustande. Berthold war in Amsterdam und suchte via Instagram eine Schlafgelegenheit. Niklas Huppmann reagierte auf seinen Aufruf. Man verabredete sich auf ein Bier und tauschte sich aus – der Funke von Shades Of Love sprang über. Berthold selbst war bereits im Vorfeld häufig für Hilfsorganisationen weltweit als Fotograf im Einsatz. Etwa für Plan international in Nepal oder kleine NGOs in Kenia oder Indien. Für Berthold eine Herzensangelegenheit: „Ich möchte helfen und durch meine Fähigkeiten etwas zurückgeben.“

Diskret und robust
Das Projekt Shades Of Love begeisterte den zweiunddreißigjährigen Fotografen auf Anhieb. Man beschloss, gemeinsam Sonnenbrillen an die Bevölkerung zu verteilen. Alle nahmen eigenes Geld in die Hand und bereisten Nordindien rund zweieinhalb Wochen. Im Gepäck von Sebastian Berthold: die Leica M9-P, mit der er den Roadtrip fotografisch festhielt. „Die Kamera ist angenehm unauffällig und zudem extrem leise. Eine nicht zu unterschätzende Kleinigkeit, die gerade in diskreten und sensiblen Situationen den Unterschied zwischen einem guten und einem perfekten Bild ausmachen kann“, so der Fotograf. „Doch vor Ort entschloss ich mich aufgrund der Bedingungen – Staub, Schmutz und intensive Sonneneinstrahlung – eine kleine Ziegenledertasche zu kaufen, um meine Leica zu schützen“, berichtet Berthold weiter. Die robuste M9-P meisterte – auch dank ihres sehr widerstandsfähigen Vulkanit-Überzugs – die Herausforderungen in Perfektion.

Auf Motorrädern ging es durch die raue Bergwelt. Von Dorf zu Dorf. Unterwegs traf die Gruppe zahlreiche Menschen, denen sie die Sonnenbrillen übergaben. Emotionale Momente, die Berthold mit seiner Leica sensibel festhielt. „Ich bin den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Habe mich mit Mimik, Gestik und einem freundlichen Lächeln unterhalten und dann die Augenblicke festgehalten.“, erzählt der Fotograf, „die Menschen waren sehr offen, neugierig und begeisterungsfähig. Es gab keine Vorurteile, sondern ein aufgeschlossenes Miteinander. Vieles ergab sich aus einem spielerischen Kontext“, berichtet Berthold weiter. So spielte man etwa mit Jugendlichen im Vorfeld Criquet oder erkundigte sich bei Arbeitern über deren Tätigkeit. So entstand das nötige Vertrauen, um sensible und natürliche Bilder abzulichten.

Authentisch, unmittelbar, besonders

Für seine Fotos verwendet der in Berlin lebende Fotograf lediglich zwei Objektive. Das Leica Elmarit-M 1:2,8/21 mm und das Leica Summicron-C 1:2/40 mm. So konnte Berthold mit dem Weitwinkel zum einen die beeindruckende Landschaft in seinen ikonischen Aufnahmen einfangen und zum anderen mit dem 40 mm Porträts aus einer angenehmen Distanz aufnehmen. Betrachtet man die Bilder des Berliner Fotografen, so wird schnell ersichtlich, dass er sich für sein Gegenüber interessiert. Es sind natürliche Momentaufnahmen, die die Emotionen des Augenblicks festhalten.

Authentisch, unmittelbar, besonders. „Die M9-P und die zwei Objektive reduzieren mich gekonnt aufs Wesentliche. So konzentriere ich mich ganz auf mein Motiv und verlasse mich auf meine und die Fähigkeiten der Kamera“, lobt Berthold. „Die so abgelichtete Bildästhetik ist einfach einzigartig. Wer mit Leica fotografiert, weiß was er bekommt“, so der Fotograf weiter. Die im Himalaja aufgenommenen Bilder sind übrigens nicht nur sehenswert, sondern erfüllen auch einen guten Zweck. So wurden sie im Oktober im Rahmen einer Shades Of Love-Benefizveranstaltung in der Hauptstadt zum Verkauf angeboten. Der Erlös kam der Hilfsorganisation unmittelbar zu Gute.

Das Projekt geht weiter
Die Reise nach Nordindien brachte die kleine Gruppe auch freundschaftlich noch näher zusammen. Und so steht für Sebastian Berthold fest, dass er Shades Of Love auch zukünftig unterstützen möchte. „Die Authentizität begeistert mich. Der unmittelbare Kontakt zu den Menschen ist einzigartig. Und wir können ihnen direkt helfen“, freut sich Berthold. Mit Sonnenbrillen. Eine Idee so einfach, wie genial.

 

TEXT STEFFEN SCHMIDTKE

FOTOS SEBASTIAN BERTHOLD

 

Links der Fotograf: Sebastian Berthold (32)
Der ausgebildete Kaufmann für audiovisuelle Medien arbeitet seit vier Jahren als professioneller Fotograf. Davor war der in Berlin lebende Künstler in einer Agentur und als Barkeeper tätig. Doch Freunde rieten ihm dazu, sein leidenschaftliches Hobby Fotografie auszubauen. Mit Erfolg.
bergstrvm.com, @bergstrvm

Rechts der Mitgründer: Niklas Huppmann (21)
unterstützt das Projekt Shades Of Love bereits seit rund sechs Jahren. Er ist Mitbegründer und zuständig für das Operative und Strategische. Huppmann lebt in Amsterdam und studiert Wirtschaft, Philosophie und Politik.
shadesoflove.org, @shadesofloveproject

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