2015 konnte Luca Bottazzi eine Sonnenfinsternis beobachten. Er sah, wie sich alles um ihn herum sehr schnell veränderte und eine beunruhigende Atmosphäre entstand. Seither kann er den rätselhaften Übergang vom Tag zur Nacht nicht mehr vergessen. In der Serie Eclipse zeigt er die Verdunklung der Sonne als magisches, alltägliches Ereignis. Im Interview spricht er darüber, warum er die Zeit der Verdunklung als Ausgeliefertsein empfindet, was die Atmosphäre für ihn so besonders macht und wie er diese Magie in seine Bilder transportiert.

Aus welcher Idee heraus ist die Serie Eclipse entstanden?
Während der Sonnenfinsternis im März 2015 war ich draußen, mir war kalt und ich empfand eine gewisse Hilflosigkeit. In meinen Tagträumen stelle ich mir seither vor, wie das Leben wäre, wenn sich alles, was wir kennen, in einem permanenten Zustand der partiellen Sonnenfinsternis befände: Sonne und Mond, unlösbar miteinander verbunden, sodass das Licht trübe wird und einen Konflikt auf Erden auslöst. Eklipse hatte im Altgriechischen die Bedeutung „wegkommen“, „sich verstecken“ oder „unsichtbar werden“. Im Volksmund „Schwarze Sonne“ genannt, haben Sonnenfinsternisse in vielen Kulturen eine tiefe esoterische Bedeutung. Eine Sonnenfinsternis steht aber auch für die Rückkehr der Sonne, die die Dunkelheit überwindet und dem Planeten wieder Licht und Wärme bringt – Leben. Das Gute siegt über das Böse.

Lassen Sie uns über ein paar Beispiele sprechen …

Das linke Bild ist ein hervorragendes Beispiel für eine dramatische Nutzung des Lichts …
Um diesen dramatischen Effekt zu erzeugen, habe ich mitten am Tag fotografiert, also genau in der Zeit, die nicht zum Fotografieren empfohlen wird. Ich habe stark abgeblendet, die Frau mit den geschlossenen Augen, die sich vor der Sonnenfinsternis schützt, war das Motiv, das ich suchte.

Das rechte Bild wird von Geometrie dominiert …
Der eigentliche Protagonist in dieser Aufnahme ist das Licht: Seine Stärke ließ mich dieses seltsame Spiel von Linien und Geometrien sehen. Das Foto wurde mittags aufgenommen: Die Filterung durch die Gitter machte alles sehr interessant.

Auf Ihren Bildern ist sehr viel Schwarz zu sehen. Es scheint, als seien die Bilder im Mondlicht fotografiert worden. Oder war es während der Sonnenfinsternis?
Ich freue mich, dass es mir offenbar gelungen ist, dem Projekt die Ästhetik und Richtung zu geben, die ich erreichen wollte. Mein Ziel war es, eine partielle Sonnenfinsternis zu fotografieren, mit all den Ideen, die ich dazu hatte. Ich habe in Lightroom ein eigenes Preset für die Bearbeitung der Aufnahmen erstellt. Die Fotos mussten aber schon die Situation widerspiegeln, deshalb ich abgeblendet, aber nicht unterbelichtet, um in der Nachbearbeitung maximale Kontrolle zu haben. Mit ihrer hohen Flexibilität und Qualität haben die DNG-Dateien den Rest erledigt.

Haben Sie künstliches Licht verwendet?
Nein, bei diesem Projekt habe ich ausschließlich natürliches Licht eingesetzt. Kinofilme haben mir in dieser Hinsicht sehr geholfen, meinen Blick zu schärfen. Die Beleuchtung in Filmen – manche sind atemberaubend – inspiriert mich immer noch. Gutes natürliches Licht kann großartige Dinge hervorbringen. Manchmal kann man ein wenig nachhelfen, aber es muss für meinen Geschmack immer noch natürlich aussehen.

Bei dieser Serie haben Sie die Leica M (Typ 240) und die M Monochrom eingesetzt. Welche Objektive haben Sie verwendet?
Ausschließlich das Elmarit-M 1:2.8/28 ASPH. – mit einer Ausnahme: Das Foto des am Boden liegenden Mädchens entstand mit einem Summaron 1:2.8/35. Das M-System erlaubt es mir, so zu fotografieren, als ob ich gar keine Kamera vor mir hätte. Ich habe die totale Kontrolle und kann künstlerisch das Maximum herausholen. Die M-Objektive sind unglaublich: Sie sind wie Pinsel, die jeder anders einsetzt.

Haben Sie vorher schon einmal eine M Monochrom ausprobiert?
Bevor ich anfing, für Leica zu arbeiten, habe ich schon die erste M Monochrom mit CCD-Sensor benutzt, die ich immer noch für eine interessante Kamera halte. Die Flexibilität der Nachfolgerin eröffnete mir natürlich weitere Möglichkeiten, auch in Hinsicht auf die Postproduktion, in der meine Bedürfnisse praktisch an keine Grenzen stoßen. Ich verwende die Kamera auch für andere Projekte und für private Familienfotos. Prints der mit der Monochrom entstandenen Fotos sind etwas Unglaubliches – die Graustufen und die Tiefe der Schwarztöne sind atemberaubend.

Was möchten Sie den Betrachtern Ihrer Serie mit auf den Weg geben?
Meine Absicht bei der Verwendung dieser Art von unterbelichtet und fast verschleiert wirkendem Schwarzweiß war es, so weit wie möglich ein Gefühl des Schwebens, einer nicht definierten Zeit und eines nicht definierten Raums zu erzeugen. Ich wollte die Empfindungen vermitteln, die ich hatte, als ich die Bilder tatsächlich sah – ein gewisses Gefühl der Hilflosigkeit.

Luca Bottazzi, geboren 1988, entwickelte ein Interesse an allem, was mit dem Bild, dem Kino und den großen Fotografen des letzten Jahrhunderts und der Gegenwart zu tun hat, während er seinem klassischen Studium folgte. Im Jahr 2014 gründete er zusammen mit anderen jungen italienischen Autoren das künstlerische Fotografie-Kollektiv Inquadra, mit dem er einige Jahre zusammenarbeitete, um sich anschließend wieder persönlichen Projekten zu widmen. Seit 2015 ist er für den in jenem Jahr eröffneten Leica Store in Bologna tätig, dessen Store Manager er heute ist. Gleichzeitig entwickelte er mit seiner Frau Andrea Celeste Righi das künstlerische Fotoprojekt Libare Luce. Erfahren Sie mehr über die Fotografie von Luca Bottazzi auf seiner Website und in seinem Instagram-Kanal.

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